Das International Mental Health Network for Expatriates
Visuelle Kommunikation gegen Stigma und Einsamkeit
Überblick
Das International Mental Health Network for Expatriates ist eine gemeinnützige Organisation, die Menschen unterstützt, die fern der Heimat leben, arbeiten oder studieren. Kernthemen sind der Abbau von Stigma rund um psychische Gesundheit sowie die Bekämpfung von Einsamkeit. Ich habe den Online-Auftritt neu gestaltet und war konzeptionell wie gestalterisch an Workshops und Events beteiligt — von Plakaten und Broschüren bis zu Social-Media-Content und Videoschnitt.
Discover — Die Ausgangslage verstehen
Zielgruppen
Auf Basis von Qualitatives Interviews entstand ein klares Profil der primären Zielgruppe:
Alter: ab 25 Jahren
Sozioökonomischer Status: gut ausgebildet (Hochschulabschluss), beruflich etabliert und finanziell abgesichert — ohne existenzielle Geldsorgen
Lebenssituation: lebt, arbeitet oder studiert fern des Herkunftslandes
Psychologischer Vorlauf: bislang kaum Berührungspunkte mit dem Thema mental health — kein Vokabular, keine Konzepte, um eigene Gefühle einzuordnen
Pain Points: anhaltende Einsamkeit, Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen und Partnerschaft, ein diffuses Gefühl, sich nicht wirklich zugehörig oder von Herzen zufrieden zu fühlen — ohne dass sich das klar benennen lässt
„Ich glaube, je älter man wird, desto schwerer wird es, neue Freunde zu finden."
— aus einem der Zielgruppeninterviews
Auf den ersten Blick eine Aussage über Freundschaft. Der Kontext des Gesprächs zeigte jedoch, dass sich dahinter etwas anderes verbarg: ein Gefühl von Isolation in einer belastenden Lebensphase, das sich nicht direkt aussprechen ließ und stattdessen in eine allgemeine, leichter zu äußernde Beobachtung über „Freunde finden im Erwachsenenalter" verpackt wurde. Genau das ist ein typisches Muster in qualitativer Forschung: Der geäußerte Pain Point liegt an der Oberfläche, während das eigentliche Bedürfnis — sich in einer schwierigen Zeit nicht allein gelassen zu fühlen, ohne die Situation im Detail offenlegen zu müssen — unausgesprochen bleibt.
Für die Gestaltung bedeutete das: Ein Angebot, das direkt nach „psychischer Belastung" fragt, wäre zu konfrontativ gewesen. Gebraucht wurde ein Zugang, der Nähe und Unterstützung ermöglicht, ohne dass jemand seine Situation zuerst benennen oder rechtfertigen muss.
Wettbewerbsanalyse: Große, forschungsorientierte Institutionen kommunizierten fachlich fundiert, aber akademisch — mit breiten, abstrakten Themen und einer Sprache, die psychologisches Vorwissen voraussetzte. Social-Media-Accounts sprachen dagegen niedrigschwellig über konkrete, alltagsnahe Themen wie Partnerschaft oder Eltern-Kind-Beziehungen und erreichten dadurch mehr Reichweite — vereinfachten dabei aber teils bis zur fachlichen Ungenauigkeit.
Key Insight: Die eigentliche Barriere war nicht fehlendes Wissen, sondern Misstrauen gegenüber dem Thema selbst. Äußerer Erfolg verdeckte ein reales Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Gebraucht wurde eine Bildsprache, die Nähe statt Klinik vermittelt — als Einstieg zu echter fachlicher Tiefe.
Define — Die Designfrage
Design Question: How might we eine visuelle und inhaltliche Sprache entwickeln, die mentale Gesundheit einladend statt stigmatisierend macht — und gleichzeitig Raum für echtes psychologisches Verständnis statt oberflächlicher Aufklärung schafft?
Develop — Lösungsansätze entwickeln
Bildsprache: warm und alltagsnah statt klinisch-formell, um die emotionale Hemmschwelle zu senken.
Schichtenmodell im Content: Einstieg über ein alltägliches, relatable Thema (z. B. „Warum wird es schwerer, als Erwachsener Freunde zu finden?"), dann schrittweise Vertiefung mit psychologischen Konzepten und interaktiven Formaten — statt sofortiger fachlicher Konfrontation.
Kanalübergreifendes System: Website, Eventmaterialien und Social-Media-Content als ein zusammenhängendes visuelles Ökosystem, das online Vertrauen aufbaut und offline zur echten Community-Bildung führt.
Deliver — Die finale Lösung
Neugestaltung des Webauftritts, inklusive Startseite und visueller Struktur
Konzept und Design für Plakate, Broschüren und Social-Media-Content zu Workshops und Events
Videoschnitt von Talk- und Workshop-Ausschnitten für die interne Community und externe Sichtbarkeit
Conclusion
Design war hier die Brücke zwischen einem stigmatisierten Thema und echtem Vertrauen: einladend genug, um Berührungsängste abzubauen — aber mit genug Tiefe, um aus oberflächlichem Interesse echtes Verständnis und eine tragfähige Community werden zu lassen.


Organisation
International Mental Health Network for Expatriatesg
Standort
Deutschland
Jahr
2025






